DIE ZEIT HEILT ALLE WUNDEN


Diana Janecke -Leena Krüger-Matthias Walliser
Städtische Galerie Kubus Hannover
14.02.-13.03.2016










                                        "Morgenzug in den Süden"

                                        Leena Krüger

                                        Malerei

                                      Künstlerhaus Göttingen, Weißer Saal

                                       10.09 - 11.10.2015

                                      





                                     
                                        


Einführung zur Ausstellung 

Als ich von Leena Krüger gefragt wurde, ob ich die Einführung zu Ihrer Ausstellung "Morgenzug in den Süden" halten würde, habe ich spontan zugesagt. Und dies, obwohl ich weder ein ausgewiesener Kunstsachverständiger noch ein versierter Redner bin. Als Freund und als jemand, der seit vielen Jahren das Werk Leena Krügers kennt und schätzt, wollte und konnte ich mich ihrer Bitte nicht entziehen. Ob dies ein Fehler war, werden wir alle in wenigen Minuten wissen.

Da Sie sehnlichst darauf warten, in aller Ruhe in diese wunderbare Bilderwelt einzutauchen, gehe ich gleich in medias res und lasse Sie für einige Minuten einfach an meinen Gedanken teilhaben.

Der Ausstellungstitel "Morgenzug in den Süden" konfrontiert uns sogleich mit einer Flut an eigenen Bildern und Assoziationen. Es geht, obwohl das wörtlich im Titel gar nicht vorkommt, natürlich ums Reisen. Nur sehr poetisch veranlagte Pendler würden davon sprechen, dass sie den "Morgenzug in den Süden" nehmen - von Göttingen nach Kassel etwa.

Aber warum mit dem Zug, wo so viele Reisen heute mit dem Flugzeug unternommen werden? Vielleicht aus dem einfachen Grund weil wir vom Zug aus mehr sehen, es sei denn wir fahren bei Nacht oder durch einen Tunnel? Vielleicht weil die Strecke, die zwischen A und B liegt, unseren Ausgangspunkt und das Ziel nicht trennt, wie beim Fliegen, sondern verbindet? Weil wir uns dadurch während der Reise nicht in einem Niemandsland befinden, sondern zu jeder Zeit in Land- und Ortschaften. Während heute die Reise meist erst als solche am Zielpunkt wahrgenommen wird und das davor, der Reiseweg selbst, nur als Transport.

"Morgenzug in den Süden" ist aber, wie Leena Krüger mir erzählt hat, ein Satz, den Sie in Ihrer Heimatstadt im Norden Finnlands oft gehört hat, und der für sie zu einer Chiffre für das Woanders-sein-wollen, zur Chiffre für alle unsere Sehnsuchtsorte geworden ist. Und nun wird auch klar, warum die Reise in den Süden führt. Vom Norden Finnlands aus lässt es sich nach Norden, Osten und Westen nicht allzu weit reisen. Wer dort etwas ganz anderes sehen und erfahren möchte, muss notgedrungen gen Süden. Und anders als wir beim ersten Lesen des Titels gedacht haben mögen, geht es also gar nicht um beispielsweise mediterrane Ziele, sondern universell um das für uns Andere.

Und da es sich um so etwas wie eine Redewendung handelt, dürfen wir das Transportmittel Zug als Platzhalter nehmen für alle Arten von Transportmitteln, die uns eine Reise zu einem Sehnsuchtsort ermöglichen: Zu Fuß oder mit dem Fahrrad, mit der Bahn oder auf einem Schiff, im Auto oder im Flugzeug oder - in Gedanken, mit unserer Phantasie.

Reisen hat mit Entfernungen, mit Räumen zu tun. Und mit der Zeit, die wir für eine solche Reise benötigen. Der Raum um uns verändert sich, aber auch die Zeit. Leena Krüger hat in ihren Bildern die Räume und die Zeit eingefangen - in Momentaufnahmen, in Eindrücken, wie wir sie beim Blick durch das Fenster eines Zuges oder Autos einfangen und vielleicht mit der Fotokamera unseres Smartphones festhalten wollen. Auf einem solchen Foto sehen wir dann, wie sich die Landschaft draußen, in mehreren Ebenen unterschiedlich gegeneinander verschiebt. Im Vordergrund verwischen Büsche oder Masten, im Hintergrund scheint der Horizont ganz unbeeindruckt von unserer Fortbewegung. Und nur dazwischen lässt sich in der Verschiebung das Reisen von A nach B so wahrnehmen, dass unser Gehirn das auch verarbeiten kann.

Leena Krügers "Morgenzug" ist, wie mir scheint, in vielen der Bilder hier, ein sehr früher Morgenzug. Das, was als Gesehenes Eingang in diese Bilder gefunden hat, liegt oft in einer Art Nebel, der aber auch ein Nebel sein kann, den die Erinnerung über die Bilder gelegt hat oder eine Unschärfe, die von der schnellen Bewegung herrührt. Damit sind wir gezwungen, zu rekonstruieren, zu dechiffrieren, was uns die Künstlerin im Bild anbietet. Sind da Schienen oder ein Zaun zu sehen? Sind da Bäume oder Menschen?

In jedem Fall müssen wir uns zunächst orientieren und zurechtfinden, denn was wir sehen könnte auch zusammengesetzt sein aus dem da draußen und der Spiegelung des Innenraumes im Fenster, durch das wir nach draußen schauen. 

Was mich an Leena Krügers Arbeiten immer besonders angesprochen hat, ist eine Reduktion, durch welche die möglichen Assoziationen vervielfältigt werden. Aus dem Weniger wird bei ihr für mich immer ein Mehr. Konkretisierende Bildtitel würden mich eher einschränken, die möglichen Assoziationen auszuloten. Insofern bin ich auch dankbar, dass der Ausstellungstitel nur einen Rahmen vorgibt, einen ersten Denkanstoß. Und wie wir gesehen haben, hat schon dieser einfache, aus nur wenigen Wörtern bestehende Halbsatz so seine Untiefen, die es auszuloten gilt.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine gute Reise.

Rudolf Schmitt ist Geschäftsführer der Basta Werbeagentur GmbH in Göttingen.



Zeitgleich/Zeitzeichen

In Rahmen der bundesweiten Ausstellungsreihe fand im Oktober/November 2014 das Austellungsprojekt "Zeitgleich/Zeitzeichen 2014"im Weißen Saal des Künstlerhaus Göttingen statt.

Unter dem Titel "Die Zeit heilt alle Wunden"stellten Diana Janecke, Matthias Walliser und Leena Krüger objekthafte Arbeiten aus, in denen sie sich mit verschiedenen Aspekten der Beschleunigung, des Erinnerns und Konservierens auseinandersetzen.
 


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Kunstsequenzen 2011

Wahlverwandschaften 

„Kleine Lebenswelten“

Leena Krüger, Ursula Krämer

Künstlerhaus Göttingen

Gotmarstr. 1

37073 Göttingen

05.05. - 22.05.2011


Einführungstext aus dem Ausstellungskatalog: 

Man weicht der Welt nicht sicherer aus als durch die Kunst und man verknüpft sich nicht sicherer als durch die Kunst.“        Goethe, Wahlverwandtschaften

Unterschiedlicher als die malerischen Werke von Ursula Krämer und Leena Krüger könnten Bilder von zwei Künstlerinnen kaum ausfallen. Dennoch haben sie in einer gemeinsamen Ausstellung, überschrieben mit dem Titel „Wahlverwandtschaften“, die Begegnung ihrer Kunstpositionen selbst forciert.

Stilistische Familienähnlichkeit in der Handschrift der Künstlerinnen kann dabei als Grund ausgeschlossen werden – zu eigenwillig der lagenschwere, in ferne Tiefe gestaffelte Farbauftrag der einen, zu konsequent direkt der locker auflösende Pinselstrich der anderen.

Dennoch reichen sich die Werke der so verschieden agierenden Künstlerinnen, in deren Kunst weder Motiv, noch Maltechnik auf einen Nenner zu bringen sind, über die Unterschiede hinweg die Hand. Im direkten Gegenüber entwickeln die menschenleeren, im Raumnebel versunkenen Dämmerstunden Leena Krügers und die sich in bonbonsüßer Farbigkeit auflösenden Dinglichkeiten in den Bildern von Ursula Krämer dialogische Potenz.

Die Farbnebelbilder der „Kleinen Lebenswelten“ von Leena Krüger, angesiedelt in einem in die Ferne weisenden Blaugrün, überfangen von verhaltenem Grauweiß, erzählen von Landschaften und Räumen, die nur mehr als schattenhafte Temperaturwerte in der Erinnerung haften geblieben sind. Längst vergessen ist der genaue Ort, unwichtig jede konkretisierbare Raumstruktur. Dem dünnen, zeichnerisch agierenden schwarzen Tuschestrich erst kommt die Aufgabe zu, die dunstumfangenen Schwebezustände, in denen Farbschichtungen ein Spiel aus Licht und Schatten entwerfen, Bildern anzuverwandeln, die ein verortbares Oben und Unten erhalten. Vielleicht eine Türöffnung, ein mit der Zeit matt und undurchsichtig gewordenes Fenster, die Landschaft durchkreuzende Oberleitungen, verschwommene Zuggleise oder feucht glänzender Straßenasphalt: an den Linienkonstruktionen hält sich der orientierungslose Blick wie an dem Geländer eines Treppenhauses fest. „Systeme für sich“ sind kein Objekt, kein konkreter Raum, lediglich die in ihnen angelegte Ahnung von Räumlichkeit gibt dem Blick in die Ferne etwas Halt in gefühlter Unendlich- und Zeitlosigkeit.

Nah, zu nah dagegen kommt der Pinsel von Ursula Krämer bekannten, leicht definierbaren Objekten. Mit bewusst eingesetzter malerischer Distanzlosigkeit, kombiniert mit einer beachtlichen Portion farblicher Respektlosigkeit, wird der Kampf gegen die Übermacht der durch Umriss und Eigenfarbigkeit klar definierten Dinge aufgenommen. Radikal an- oder auch ausgeschnittene Objekte, so nah herangeholt, dass sich ihr Gegenstandcharakter zunehmend verflüchtigt, werden im Spiel ihrer Farbflächen – wenn auch nur für den Moment eines Bildes - von ihrer funktionalen Eingebundenheit befreit. Sukzessiv wird die geordnete Objektwelt in einen Flickenteppich aus Farbflecken verwandelt. Sie findet sich in einem ornamentalen Farbstrudel wieder, in dem sich das bis dato Festgefügte vor den Blicken des Betrachters verflüssigt. Uneingeschränkt schafft sich Ursula Krämer mit jeder Annäherung ihres Pinselstrichs an das Objekt die Möglichkeit, angesichts einer allzu klar konturierten Überfülle der Alltagsobjekte zu neuen, ungeahnt überraschenden Strukturbildungen zu finden. Nah und doch zugleich unendlich weit entfernt vom funktionalen Ding. Bilder voll vom Aufatmen im unkonkreten Raum, sind sie Ruhezonen, angesiedelt irgendwo zwischen klar definierten Aggregatzuständen: Möglichkeiten zwischen zuviel Wirklichkeit.

Das „zu Nah, um den Objektumriss noch klar zu erkennen und zu benennen“ in den Werken von Ursula Krämer und das „zu Fern, um noch genau die Konturen und Eigenheiten der gewählten Konstruktionen zu erkennen“ von Leena Krüger weisen in dieselbe Richtung. Ein um das andere Mal fragen sie nach Methode, Funktionalität, Sinn und Unsinn des ordnenden Eingriffs in Farbenspiel und Formgestalten durch Kontur- und Raumlinien, mit dem der Wahrnehmung tagtäglich Landschaften, Architekturen, Menschen oder Dinge als klar verortbare, fest umrissene Ganzheit angeboten werden. Ein um das andere Mal berichten sie – wenn auch aus ganz unterschiedlichen malerischen Positionen heraus - von der Freiheit, die sich einstellt, wenn diese Einordnungsfunktion als konstruktives Element im eigenen Tun und nicht als fest gefügter Parameter von außen erkannt und genutzt wird.

Anja Marrack, Kunsthistorikerin

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Das Poster des 2009 Goettinger Jazz-Festival basiert auf einem  Gemälde von Leena Krüger

Jazzfestival-goettingen.de  zum wechseln auf die   homepage des jazzfestivals
                                                                         auf das poster klicken!


Zum Jazzfestival 2009                Göttingen 21.10.2009

Rhythmen spielen eine wichtige Rolle in meiner Arbeit. Besonders am Beginn eines jeden Bildes arbeite ich stets gestisch und eher mit schnellen Rhythmen, später versuche ich aus mehr oder weniger freien, teils auch zufälligen Einzelteilen zu einer gebrochenen Harmonie zu gelangen. Beim Jazz steht ja häufig ein Thema am Anfang eines Stücks, während ich meinem jeweiligen Thema improvisierend entgegenarbeite. Einmal gefunden, variiere und wiederhole ich, bis mir ein Bild bzw. eine Bilderreihe vorerst „fertig“ erscheint. Das Spiel zwischen Ruhe und Spannung, wie auch das Zerlegen und wieder Zusammensetzen einzelner Elemente beschäftigt mich.

In Anlehnung an den Jazz habe ich im Frühjahr eine Serie Papierarbeiten gemalt. Die Arbeit “Down to the River“ ( 54 x 39 cm, Acryl und Tusche auf Papier), welche auf dem Plakat des diesjährigen Jazzfestivals zu sehen ist, ist eine von Ihnen.

Eine Gruppierung aus dem Bereich Jazzrock, die ich hier als für mich inspirierend erwähnen möchte, ist die seit den 1960er-Jahren in verschiedenen Zusammensetzungen existierende Gruppe King Crimson. Ihr Stil zwischen Konsonanz und Dissonanz hat mich schon früh begeistert und ich finde es spannend, im Bildnerischen Ähnliches zu versuchen.


Leena Krüger

die komplette bilderserie jazz finden sie hier
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